Erlanger Fotografen stellen sich vor.

Übungskurs Blitzeinsatz Teil1

Verwendung des Systemblitzes

Dieser Übungskurs befasst sich mit dem Thema Blitzeinsatz und möchte Ihnen bei der Bewältigung so mancher Hürde ein kleiner, praktischer Leitfaden sein.

Inhalt:

1. Einsatz des Blitzes. Wann und Warum?

2. Korrekte Belichtung bei vorhandenem Licht und Blitzeinsatz

3. Unterschiedliche Lichtcharakteristika des Systemblitzes

3.1 Direkte Beleuchtung

3.2 Diffuse Beleuchtung mittels Streulichtscheibe

3.3 Gestreutes Licht von der Decke

3.4 Gestreutes Licht von der Wand

4. Entfesseltes Blitzen

4.1 Einsatz von Reflektoren

5. Einsatz von Lichtformern

6. Troubleshooting/Problemlösung

6.1 Blitzsynchronzeit

6.2 Weißabgleich

6.2.1 Blitzeinsatz bei Kunstlicht

6.2.2 Bouncen über farbige Oberflächen

Sie kennen das, das Umgebungslicht (auch available light; AL) lässt nach, die Belichtungszeiten steigen trotz weit geöffneter Blende an und eine sichere, unverwackelte Aufnahme ist kaum mehr möglich.
Was unternimmt der Fotograf von Welt? Richtig, er greift in die Fototasche und verbindet sein Elektronen-Blitzgerät mit der Kamera. Bei 1/60 und offener Blende legt der Blitz so richtig los, friert alles ein und … zerstört vollkommen die Stimmung. Schade eigentlich, geht doch der Blitzeinsatz auch weit über diese Möglichkeit hinaus.

1. Einsatz des Blitzes. Wann und Warum?

Wann also wird ein Blitzgerät zum Einsatz kommen? Freilich, wenn zu wenig Licht vorhanden ist, aber das oft schon früher der Fall sein als man gemein hin annimmt – Sie werden sehen. Das “Warum” lässt sich natürlich auch leicht erklären, Sie wollen ordentlich Licht haben.

Sehen wir uns doch mal folgendes Beispiel etwas genauer an.

Die Situation war folgende: Das Model steht bei Tageslicht vor einer Fensterfront und soll dort fotografiert werden. Folgendes Problem kommt auf den Fotografen zu, entweder er belichtet korrekt auf den Hintergrund oder auf das Model. Beides wird er nicht unter einen Hut bringen, da die Technik diesen Kontrastumfang nicht bewältigen kann.

Diese beiden Bilder zeigen eindrücklich welche Extreme möglich sind.

Hintergrund korrekt belichtet, ohne Blitz

Model korrekt belichtet, ohne Blitz

Beides sind keine gelungenen Aufnahmen, im Zweifelsfall würde man sich vielleicht noch für die helle Variante entscheiden, da diese zumindest das Model/die Person korrekt belichtet zeigt. Vorausgesetzt natürlich die Person war auch das Hauptmotiv.

Nun sind wir schon, weitaus früher als gedacht, an dem Punkt angekommen, an dem ein Blitz Sinn machen würde.

2. Korrekte Belichtung bei vorhandenem Licht und Blitzeinsatz

Soll also sowohl der Hintergrund als auch das Model korrekt belichtet sein müssen wir in dieser Szene mit einem Blitz unterstützend eingreifen. Bevor wir jedoch unsere Lichtkanone zücken, beginnen wir mit der Basisarbeit. Zu allererst empfehle ich Ihnen Ihre Kamera in den M-Modus (manuellen Modus) zu stellen. Haben Sie keine Angst davor, Sie werden sehen, es macht Ihnen die Sache einfacher.

So, gehen wir doch in Gedanken nochmal durch was wir erreichen wollen. Der Hintergrund soll korrekt belichtet sein und genauso das Model.

Beginnen wir mit dem Hintergrund. Nehmen Sie Ihre Kamera zur Hand und wählen Sie in etwa den Bildausschnitt den Sie auch bei der Aufnahme haben wollen und messen Sie mit dem Belichtungsmesser die korrekte Belichtung ohne Model im Bild aus. Dazu orientieren Sie sich für gewöhnlich an der Belichtungswaage im Sucher. Machen Sie ruhig eine Probeaufnahme, Sie werden sehen, dass der Hintergrund doch recht vernünftig abgebildet ist, wenn nicht, korrigieren Sie mit der Belichtungskorrektur nach Ihrem Geschmack.

Prima, das war der erste Teil, nun bitten Sie das Model in die Szene, verstellen Sie nichts an der Kamera und machen Sie erneut eine Probeaufnahme. Sie werden wahrscheinlich ein ähnliches Ergebnis wie in Abb. 1 sehen. Das ist in Ordnung.

3. Unterschiedliche Lichtcharakteristika des Systemblitzes

3.1 Direkte Beleuchtung

Nun nehmen Sie Ihren Blitz zur Hand und stecken Ihn auf die Kamera schalten ihn ein und achten darauf, dass sich dieser in der Betriebsart “TTL” (iTTL, eTTL, je nach Hersteller) befindet.

Bereit? Gut, dann eine letzte Anweisung an das Model und los geht’s!

Blitz direkt

Sehen Sie, gar nicht so schwer nicht wahr? Alles bestens, das Licht stimmt, der Hintergrund und das Model sind korrekt belichtet!
In unserem Fall hat sich der Blitzreflektor automatisch auf 50mm analog zur Brennweite eingestellt. Belichtungszeit 1/125sec bei Blende f/4.

Ach so, ja Sie haben recht, der Schatten unter der Nase ist wirklich nicht sonderlich schön… lassen Sie mich sehen.

3.2 Diffuse Beleuchtung mittels Streulichtscheibe

Ziehen Sie doch mal die Streulichtscheibe nach vorne. Wie es der Name schon sagt, sorgt diese trübe Scheibe dafür, dass das Licht gestreut wird und der Reflektor in eine maximale Weitwinkelposition fährt. Gestreutes Licht ist weiche(er)s Licht! Merken Sie sich das, das werden wir später noch brauchen.

Also gut, Keine Veränderung an der Kamera, am Blitz haben Sie die Streulichtscheibe hervor geklappt, dann versuchen Sie es ruhig noch einmal.

Blitz direkt mit Streulichtscheibe

Besser nicht wahr? Eine homogenere Ausleuchtung des Gesichts… aber der Nasenschatten ist immer noch da.

Was haben Sie sich gemerkt? Genau, gestreutes Licht ist weicheres Licht. Diese Formel könnte uns hier weiterhelfen. Die Streulichtscheibe hat durch die Vergrößerung der Lichtfläche gestreut, also lautet die Gleichung auch große Lichtfläche = weiches Licht! Das bedeute wenn ich irgendeine Möglichkeit finden könnte die Lichtquelle zu vergrößern müsste ich den Nasenschatten in den Griff bekommen.

Versuchen wir doch das Licht reflektieren zu lassen, z.B. von der Zimmer-/Hallendecke. Das Licht rast mit 1079252848,8 km/h (also über einer Milliarde) aus dem Blitzgerät trifft auf die Decke und stürzt wieder auf das Model herab. Das alles geht schneller als Sie schauen können. ;)

3.3 Gestreutes Licht von der Decke

Sie richten also den Reflektor Ihres Blitzes senkrecht nach oben und schicken den Lichtstrahl gen Decke, mal sehen was passiert.

Über die Decke gebounced

Ha, wusste ich’s doch, der Nasenschatten ist weg! Dafür erscheint das gesamte Gesicht etwas im Schatten zu liegen, sehen Sie das?  Kommt wohl daher, dassdas Licht nun senkrecht von oben auftrifft.

3.4 Gestreutes Licht von der Wand

Na gut, dann schicken wir das Licht eben wo anders hin. Was halten Sie von der Wand links hinter Ihnen? Ok, dann drehen Sie mal fleißig an Ihrem Blitzreflektor, so dass er nach hinten links zielt. Prima! Und Schuß…

Links hinter mir über die Wand gebounced

Sehr gut, kein Nasenschatten und das Gesicht bekommt das Licht wieder wie gewohnt von vorne.

Eigentlich könnten wir nun Schluß machen, aber mal ganz ehrlich besonders spannend ist die Ausleuchtung nicht mehr, oder?

Haben Sie noch Energie um weiter zu experimentieren? Dann sind Sie herzlich dazu eingeladen!

4. Entfesseltes Blitzen

Das haben Sie bestimmt schon mal gehört. Lösen sie die Fesseln des Blitzes und lassen Sie ihm freien Lauf, mal links mal rechts mal unten oder oben… experimentieren Sie damit.

Voraussetzung dafür ist entweder:

Eine Kamera und ein Blitz die miteinander kommunizieren können. Genaueres lesen Sie bitte im Handbuch Ihrer Geräte nach.

oder

einen Funkauslöser und –empfänger um einen entfesselten Blitz per Funk auszulösen.

Da wir mit verschiedenen Kamerasystem arbeiteten haben wir uns an diesem Tag für die Funkvariante entschieden.

Im Falle einer Auslösung per Funk muss die Blitzintensität manuell eingestellt werden, es funktionier keine TTL-Messung, bei der die Kamera dem Blitz mitteilen könnte wie stark er blitzen muss um eine ausgewogene Belichtung zu erreichen.

Zurück zu unserem Model, wir haben also bemängelt, dass die Ausleuchtung im letzten Beispiel zwar schön weich war aber keine Spannung mehr hatte. Unser Ziel ist es also wieder etwas mehr Konturen in das Gesicht zurück zu bringen. Zu diesem Zweck positionierten wir den Blitz links von der Kamera, mit ausgeklappter Streulichtscheibe.

Enfesselt 45° von links

Gar nicht mal so schlecht, oder?
Aber nun ist der Nasenschatten wieder da… versuchen wir den doch etwas zu mildern.

4.1 Einsatz von Reflektoren

Erinnern Sie sich zurück, wir hatten das Licht schon einmal durch den Raum geschickt und mit reflektiertem Licht gearbeitet (Abb. 5 und 6). Nun versuchen wir die Reflexion etwas zu kontrollieren in dem wir mittels eines Reflektors das Licht lenken.

Durch Zuhilfenahme eines Silber-Reflektors, auf der rechten Seite (von der Kamera aus) ist es gelungen die linke (vom Model aus) Gesichtshälfte etwas heller zu bekommen, der Nasenschatten aber ist davon nur minimal betroffen, so dass nur noch eine Möglichkeit übrig bleibt…

Enfesselt 45° von links und Reflektor von rechts

5. Einsatz von Lichtformern

Wir haben gelernt, dass eine große Lichtquelle in kurzem Abstand zum Motiv weiches Licht macht und dieses Licht auch schnell wieder abfällt.
Unsere (vorerst) letzte Möglichkeit ist der Blitz durch den Schirm.

Durch einen sog. Durchlichtschirm ist es möglich eine kleine Lichtquelle (Blitzgerät) in eine relativ Große zu verwandeln. Die gesamte Fläche des Schirms, in unserem Fall ein Schirm mit 85cm Durchmesser, leuchtet auf und in Kombination mit einem recht kurzen Licht <—> Motivabstand erreichen wir folgendes Ergebnis.

Durchlichtschirm 85cm

Damit bin ich zufrieden!
Eine sehr homogene Ausleuchtung, ein nahezu unsichtbarer Nasenschatten, und, durch den raschen Abfall des Lichts, ein kleines Highlight im Gesichtsbereich.

Ich denke ich konnte die bestmögliche Beleuchtung mit nur einem Licht erreichen.

6. Troubleshooting/Problemlösung

6.1 Blitzsynchronzeit

Bei Nichtbeachtung der Blitzsynchronzeit Ihrer Kamera kann es vorkommen, dass Ihre Ergebnisse einen dunklen Balken am unteren Ende des Fotos aufweisen.
Was hat das zu bedeuten? Nun der mechanische (Schlitz-) verschluss Ihrer Kamera verfügt über zwei Vorhänge die nacheinander vor dem Sensor auf und ab fahren. Der erste Vorhang öffnet den Weg für das Licht auf den Sensor, der zweite Vorhang verschließt den Blick wieder.

Bis zu einer gewissen Verschlusszeit ist der Sensor von beiden Vorhängen vollkommen frei gegeben. Da der Blitz eine sehr kurze Leuchtdauer hat (1/1000 Sekunde und kürzer) ist er auf dem Aufnahmemedium nur dann zu sehen wenn der Sensor (oder Film) vollständig freigegeben ist. Wählen Sie Ihre Verschlusszeit zu kurz, “überholt” der zweite Vorhang quasi das Licht und ist auf dem Bild als schwarzer Streifen zu erkennen.

6.2 Weißabgleich

6.2.1 Blitzeinsatz bei Kunstlicht

Jede Lichtquelle erfordert in der digitalen Fotografie einen darauf abgestimmten Weißabgleich.

Treffen nun Lichtquellen mit unterschiedlichem Farbspektrum aufeinander ist der Fotograf etwas in der Zwickmühle, da er sich für eine Farbtemperatur entscheiden muss.
Um dies an einem konkreten Beispiel festzumachen gehen wir von folgender Situation aus:

Sie fotografieren in einem Raum mit Glühlampenlicht (2300 K bis 2900 K) und stellen fest dass Sie einen Blitz einsetzen müssen dessen Farbtemperatur bei etwa 5000 K liegt. Sie werden feststellen, dass, egal welchen Weißabgleich Sie wählen, immer ein unbefriedigender Farbstich vorhanden sein wird.
In diesem Fall helfen Ihnen Farbfilterfolien weiter mit deren Hilfe Sie Ihr Blitzlicht an das Umgebungslicht anpassen können.

6.2.2 Bouncen über farbige Oberflächen

Eine weitere Stolperfalle könnte das bouncen (Reflektieren des Blitzlichtes über z.B. Wand oder Zimmerdecke)  über farbige Oberflächen sein. Bedenken Sie, dass das reflektierte Licht die Farbe der Oberfläche annimmt. Auch so kann es zu Farbverschiebungen kommen.

Sollten Sie noch Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema haben, schreiben Sie uns bitte eine Mail.

Ich bedanke mich bei allen Lesern die es bis hier her geschafft haben und verbleibe bis zum nächsten Mal Ihr

Mario Lorenz.

17 Kommentare

Mitreden und schreiben Sie einen Kommentar.

  1. Janne

    Bin über Google reingestolpert und bin begeistert! Sehr sehr gutes und einfach verständliches Tutorial. Sehr gut nachvollziehbar.

    Solltest Ihr mal ein Buch schreiben werde ich es kaufen.

    Also: “Schreibt ein Buch in diesem Stil!”

    Gruß Janne

  2. JohnTorronto

    Bin auch über die Googlesuche hier her gelangt. Super Tutorial, vor allem für Anfänger wie mich.
    Wenn mir jetzt noch jemand erklärt wie ich den Blitz am besten manuell einstelle (da gibts doch solche Berechnungsformeln oder?) bin ich wunschlos glücklich.^^

  3. Peter N

    Vielen Dank für das kleine Tutorial! Freue mich schon darauf es bald selber auszuprobieren!

  4. Johann B

    Habe dieses Tutorial ebenfalls über eine Google-Suche gefunden, nach dem ich mir erstmalig ein Aufsteckblitzgerät für meine Kamera zugelegt hatte. Mir gefällt besonders die Form. An einem sehr praxisnahen Problem, über das wohl jeder angehende Fotograf schon mal gestolpert ist, wird erklärt, wie man Schritt für Schritt mit einer immer ausgefeilteren Vorgehensweise zu einem immer besseren Ergebniss kommt. Dieses Tutorial hebt sich in vorbildlicher Weise von den unzähligen 0815-Erläuterungen im Netz ab. Vielen Dank dafür.

  5. ute

    Jaaa!!! Schreibt ein Buch! Endlich mal total in meinem Sinne erklärt!

    Aber eine Frage hätte ich noch… wie würdet Ihr den Weißabgleich einstellen wenn ich z.B. eine rote Wand hätte?

    LG

    • Mario Lorenz

      Hallo Ute,

      schön, dass Dir der Artikel gefallen hat!

      Der Weißabgleich ist immer von der Lichtquelle abhängig. D.h. eine Glühlampe erfordert einen anderen Weißabgleich als ein Blitzlicht. Es ist also egal welche Farben Dein Motiv hat, schau Dich um und prüfe welches Licht Dir zur Verfügung steht.
      Oder meintest Du das Blitzen über eine rote Wand?
      Da würde ich mich wohl mit dem manuellen Weißabgleich herantasten.

  6. Margot

    Hallöle aus Saarbrücken,
    auch ich bin per Zufall auf Eure Webseite gelangt und ebenfalls total begeistert!!! Verständlich geschrieben, Beispielfotos einfach klasse und gelernt hab ich auch jede Menge. Ich werde euch öfter besuchen!
    Sonnigen Gruß
    Margot (alias pixelpupser :-) )

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